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Bewerbung

Den richtigen Empfänger einer Initiativbewerbung ermitteln

Wer „Sehr geehrte Damen und Herren" schreibt, hat die erste Aufgabe nicht gelöst. Welche öffentlich zugänglichen Quellen den Namen und die Funktion liefern – vom Impressum über das Handelsregister bis zum Organigramm einer Verwaltung.

5 Min. Lesezeit von Steven Schulz

Warum der Name die halbe Arbeit ist

Eine Initiativbewerbung ohne Anzeige hat keinen vorgesehenen Weg in den Betrieb. Sie landet dort, wo die Adresse hinführt – und wenn das eine allgemeine Postfachadresse ist, landet sie bei jemandem, der sie weiterleiten muss, ohne zu wissen, wohin. Genau an dieser Stelle gehen die meisten verloren, und zwar nicht aus Desinteresse, sondern weil niemand zuständig ist.

Ein Name auf dem Umschlag oder in der Betreffzeile ändert das. Er macht aus einem unsortierten Eingang eine adressierte Sendung, und er zeigt nebenbei, dass Sie recherchieren können – in Büroberufen keine Nebensache, sondern ein Teil der Aufgabe.

Das Impressum ist die erste und verlässlichste Quelle

Jeder geschäftsmäßig angebotene digitale Dienst muss nach § 5 des Digitale-Dienste-Gesetzes bestimmte Angaben leicht erkennbar und unmittelbar erreichbar vorhalten: Name und Anschrift, elektronische Kontaktdaten, die Handelsregisternummer, bei kammergebundenen Berufen die Kammer und die Berufsbezeichnung. Das ist mehr, als es klingt. Sie erfahren die Rechtsform, den vollständigen Firmennamen für die Anschrift, die vertretungsberechtigten Personen und bei Kanzleien, welche Kammer zuständig ist.

Für kleine Arbeitgeber ist das oft schon die Antwort: Wer in einem Betrieb mit fünfzehn Beschäftigten eine Bewerbung an die Geschäftsführung richtet, richtet sie an die Person, die tatsächlich entscheidet.

Größere Häuser: Organigramm, Register, Abschluss

Ab einer gewissen Größe entscheidet die Geschäftsführung nicht mehr über die Besetzung einer Sachbearbeitungsstelle. Dann brauchen Sie die Ebene darunter – Abteilungs-, Bereichs- oder Teamleitung.

Drei Wege führen dorthin. Erstens die Website selbst: Viele Unternehmen stellen Ansprechpartner nach Funktion dar, in einem Team- oder Kontaktbereich. Zweitens die beruflichen Netzwerke, in denen sich Beschäftigte mit Funktionsbezeichnung eintragen; wer dort nach dem Firmennamen und „Leitung Auftragsbearbeitung" oder „Teamleitung Personal" sucht, findet häufig genau die Person. Drittens die offengelegten Jahresabschlüsse im Unternehmensregister: Sie verraten nicht den Namen, aber die Größenordnung der Beschäftigtenzahl – und damit, ob es überhaupt eine eigene Personalabteilung geben dürfte.

Dieselbe Recherche hilft übrigens auch bei der Vorbereitung auf ein Gespräch; die Übersicht der Arbeitgeber dieses Portals ist ein Ausgangspunkt, wenn Sie erst einmal sehen wollen, wer im Feld überhaupt sucht.

Kanzleien und Verwaltungen sind einfacher, als sie aussehen

Bei Kanzleien führt der Weg über die Kammerverzeichnisse. Die Rechtsanwaltskammern führen öffentlich einsehbare Listen der zugelassenen Anwältinnen und Anwälte mit Kanzleianschrift; daraus ergibt sich, wie groß eine Kanzlei ist und wer dort Partner ist. Bei einer Zwei-Personen-Kanzlei schreiben Sie an die Berufsträger, bei einer mit dreißig Anwälten an das Kanzleimanagement oder die Büroleitung, die es dort fast immer gibt.

Bei Kommunen und Behörden ist die Struktur sogar veröffentlicht. Verwaltungen führen Organigramme mit Dezernaten, Ämtern und Fachbereichen samt Amtsleitung; viele stellen sie in ihr Ratsinformationssystem oder direkt auf die Website. Sie erfahren daraus, in welchem Amt die Aufgabe liegt, die Sie meinen – Bürgerbüro, Ordnungsamt, Kämmerei, Personalamt. Für die Bewerbung selbst ist trotzdem meist das Personalamt der richtige Eingang, weil dort das Verfahren geführt wird. Warum das so ist, steht im Beitrag zur Initiativbewerbung und ihren Grenzen.

Der Anruf, der zwei Minuten dauert

Wenn keine Quelle weiterhilft, bleibt der direkte Weg: ein Anruf in der Zentrale mit einer einzigen, klar gestellten Frage. Nicht „Suchen Sie jemanden?", sondern „An wen richte ich eine Bewerbung für die Sachbearbeitung im Einkauf?". Die erste Frage lädt zu einem Nein ein, die zweite zu einer Auskunft.

Notieren Sie den Namen buchstabiert. Ein falsch geschriebener Nachname auf dem Anschreiben ist in einem Beruf, in dem Sie später Adressdaten pflegen, ein ungünstiger erster Eindruck – das Thema behandelt der Beitrag über Rechtschreibung und Form als Eignungsmerkmal ausführlich.

Wenn es nur ein Sammelpostfach gibt

Manche Arbeitgeber veröffentlichen ausschließlich eine allgemeine Adresse für Bewerbungen, und in Onlineportalen gibt es ohnehin keinen Empfänger, sondern ein Formular. Das ist kein Grund, die Recherche zu lassen.

Erstens können Sie den Namen im Anschreiben verwenden, auch wenn die Sendung an ein Sammelpostfach geht: Die Anrede richtet sich an die Person, die entscheidet, und wer die Unterlagen weiterleitet, sieht sofort, wohin. Zweitens verrät die Adresse selbst oft etwas über die Organisation – eine Adresse mit dem Namen einer Person deutet auf ein kleines Haus, eine mit einer Kennung auf ein Bewerbermanagementsystem und damit auf ein formalisiertes Verfahren.

Und drittens: Wenn Sie niemanden ermitteln können, schreiben Sie „Sehr geehrte Damen und Herren" und nicht „Sehr geehrtes Team". Die erste Formel ist die vorgesehene; die zweite wirkt in einer Verwaltung oder Kanzlei deplatziert.

Anrede und Titel

Zwei Kleinigkeiten, an denen Bewerbungen regelmäßig stolpern. Erstens gehört bei Anwältinnen und Anwälten die Berufsbezeichnung in die Anschrift, nicht in die Anrede: „Frau Rechtsanwältin Müller" steht im Adressfeld, in der Anrede genügt „Sehr geehrte Frau Müller". Ein Doktortitel gehört dagegen in beides. Zweitens: Wenn Sie zwei Empfänger haben – etwa Personalabteilung und Fachbereich –, schreiben Sie an einen und nennen den anderen nicht. Eine sichtbar gestreute Bewerbung wirkt wie ein Rundschreiben.

Wenn die Unterlagen heraus sind, stellt sich die nächste Frage von selbst: wann Sie sich wieder melden dürfen. Dazu gibt es einen eigenen Beitrag über das Nachfassen.

Wenden Sie das direkt an: Im Stellenmarkt stehen die offenen Stellen dieses Berufs, und zu jedem Beruf finden Sie die Aufgaben und die üblichen Gehälter daneben.

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