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Bewerbung

Bewerbungsfoto selbst aufnehmen: was funktioniert und was auffällt

Ein Selfie ist an fünf Merkmalen erkennbar, ein Foto mit Stativ und Fensterlicht dagegen oft brauchbar. Was den Unterschied ausmacht, warum der Porträtmodus Spuren hinterlässt und was gegen KI-generierte Bewerbungsbilder spricht.

4 Min. Lesezeit von Steven Schulz

Woran ein Selfie erkennbar ist

Ein Bild, das mit ausgestrecktem Arm aufgenommen wurde, verrät sich an fünf Stellen gleichzeitig, und es genügt eine davon, damit die sichtende Person es bemerkt.

Der Abstand ist der erste. Ein ausgestreckter Arm ist kürzer als die Distanz, aus der ein Porträt aufgenommen wird. Zusammen mit dem Weitwinkel der Frontkamera erzeugt das eine Vergrößerung der Bildmitte – die Nase wird länger, die Ohren rücken zurück, das Gesicht wirkt schmaler, als es ist.

Der zweite ist die Blickrichtung. Wer das Bild auf dem Display kontrolliert, während er auslöst, schaut nicht in die Linse, sondern ein paar Zentimeter daneben. Auf dem fertigen Bild sieht das nach einem Blick knapp am Betrachter vorbei aus, und das ist bei einem Porträt sofort sichtbar.

Der dritte ist die Körperhaltung: Eine Schulter steht höher als die andere, weil ein Arm gehoben ist. Der vierte ist der Bildrand, an dem gelegentlich noch der Ellenbogen oder eine Hand auftaucht. Der fünfte ist der Hintergrund – Wohnzimmer, Auto, Schlafzimmertür.

Der Porträtmodus hinterlässt Kanten

Viele Smartphones rechnen die Hintergrundunschärfe nachträglich hinein, indem sie das Motiv freistellen und alles dahinter weichzeichnen. Das funktioniert bei einer klaren Silhouette gut und bei allem anderen nicht. Sichtbar wird es an drei Stellen: an einzelnen Haaren, die entweder scharf im Unscharfen stehen oder mitgeweichzeichnet werden; an Brillenbügeln, die auf halber Strecke verschwinden; und an Schulterkanten, die einen weichen Saum bekommen.

Für ein Porträt, das jemand in der Personalabteilung am Bildschirm vergrößert, ist das ein erkennbarer Mangel. Die einfachere Lösung ist, den Abstand zur Wand zu vergrößern, statt die Unschärfe zu simulieren.

Der Weg, der tatsächlich funktioniert

Ein brauchbares Foto ohne Studio entsteht mit drei Dingen: einem Stativ oder einer festen Auflage, dem Selbstauslöser und einem Fenster.

Stellen Sie die Kamera auf Augenhöhe auf und treten Sie so weit zurück, dass Sie vom Scheitel bis zur Brust ins Bild passen, ohne dass die Kamera näher als gut zwei Meter steht. Wenn das Gerät eine längere Brennweite anbietet – bei Smartphones ist das meist die Tele-Linse und nicht die Standardkamera –, nutzen Sie diese. Stellen Sie sich seitlich zu einem Fenster, bei bedecktem Himmel, mit etwas Hellem auf der Gegenseite, das Licht zurückwirft; eine weiße Wand oder eine aufgestellte Pappe reichen. Hinter Ihnen sollte eine glatte, gleichmäßige Fläche sein, und zwischen Ihnen und dieser Fläche sollte Abstand liegen.

Dann lösen Sie mit Selbstauslöser oder Fernauslöser aus und nehmen mehr Bilder auf, als Sie brauchen. Der Grund ist banal: Der Gesichtsausdruck auf dem ersten Bild ist selten der, den Sie verschicken wollen. Was danach zählt – Ausschnitt, Kleidung, Brille –, steht im Beitrag darüber, was ein gutes Bewerbungsfoto ausmacht.

Generierte Porträts

Es gibt Dienste, die aus einigen hochgeladenen Bildern ein fertiges Bewerbungsporträt errechnen, samt Hemd, Hintergrund und Studiolicht. Technisch sind die Ergebnisse gut geworden; das Problem liegt woanders.

Erstens sind generierte Bilder an Details erkennbar, die das Modell nicht aus Ihren Fotos kennt: Kragen, die sich nicht schließen lassen, Ohrmuscheln mit erfundener Struktur, Brillenbügel, die nicht am Ohr ankommen, Muster, die an der Naht nicht weiterlaufen. Wer viele Bewerbungsfotos sieht, entwickelt dafür einen Blick.

Zweitens, und das wiegt schwerer: Das Bild zeigt jemanden, der Sie nicht ganz ist. Ein Vorstellungsgespräch beginnt dann mit einer Irritation, die niemand ausspricht – und in Büroberufen, in denen die Unterlagen selbst als Arbeitsprobe gelesen werden, ist eine Irritation an der Echtheit einer Datei das Letzte, was Sie brauchen. Warum Unterlagen in diesen Berufen anders gelesen werden, steht im Beitrag zur Bewerbung als Arbeitsprobe.

Wann Sie besser keins beilegen

Wenn Sie nach mehreren Versuchen kein Bild haben, mit dem Sie zufrieden sind, und ein Fototermin gerade nicht in Frage kommt, lassen Sie das Foto weg. Das ist kein Mangel: Kein Gesetz verlangt es, und die Einzelheiten dazu stehen im Beitrag zu Pflicht und AGG. Ein unscharfes, schräg beleuchtetes Bild dagegen wirkt in einer sonst sauberen Mappe wie ein Fleck auf einem gebügelten Hemd – es zieht Aufmerksamkeit auf sich, und zwar die falsche.

Der Grundsatz dahinter gilt über das Foto hinaus: Lieber ein Bestandteil weniger, der vollständig in Ordnung ist, als ein Bestandteil mehr, der es nicht ist. Das gilt auch für Anlagen, Zertifikate und Deckblätter – und für die Frage, ob ein Deckblatt überhaupt in die Mappe gehört.

Wenden Sie das direkt an: Im Stellenmarkt stehen die offenen Stellen dieses Berufs, und zu jedem Beruf finden Sie die Aufgaben und die üblichen Gehälter daneben.

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