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Bewerbung

Was ein brauchbares Bewerbungsfoto von einem schlechten unterscheidet

Licht, Brennweite, Augenhöhe, Hintergrund und Kleidung entscheiden darüber, ob ein Bild professionell wirkt. Welche technischen Größen dahinterstehen, was ein Fototermin umfasst und woran man die Grenze zwischen Bearbeitung und Verfälschung zieht.

5 Min. Lesezeit von Steven Schulz

Der Unterschied ist technisch, nicht ästhetisch

Wer zwei Bewerbungsfotos nebeneinanderlegt, sieht sofort, welches aus einem Studio kommt – kann aber meistens nicht sagen, warum. Der Grund ist, dass die Unterschiede nicht im Geschmack liegen, sondern in drei messbaren Größen: der Brennweite des Objektivs, der Richtung des Lichts und der Höhe der Kamera. Alle drei lassen sich beschreiben, und wer sie kennt, beurteilt ein Bild von sich selbst zuverlässiger als mit dem Gefühl.

Die Brennweite ist die auffälligste. Porträts werden üblicherweise mit längeren Brennweiten aufgenommen, weil der Abstand zwischen Kamera und Gesicht dann größer ist und die Proportionen des Gesichts erhalten bleiben. Ein Weitwinkel aus kurzer Distanz – die Standardsituation jeder Frontkamera – vergrößert, was der Linse am nächsten ist. Das ist die Nase, und danach die Stirn. Genau diese Verzeichnung ist der Grund, warum ein Handyporträt auch dann nicht wie ein Studiobild aussieht, wenn Licht und Hintergrund stimmen.

Licht kommt von der Seite, nicht von oben

Die zweite Größe ist die Lichtrichtung. Eine Deckenleuchte steht senkrecht über dem Kopf und wirft Schatten in die Augenhöhlen und unter die Nase; das Ergebnis wirkt müde, ohne dass jemand sagen könnte, woran es liegt. Studioaufnahmen arbeiten deshalb mit seitlich versetztem, weichem Hauptlicht und einer Aufhellung von der Gegenseite, die den Schatten öffnet, ohne ihn zu löschen.

Ein Fenster leistet dasselbe, wenn Sie sich seitlich davorstellen und nicht mit dem Rücken dazu. Direkte Sonne ist dabei das schlechteste Fenster: Sie erzeugt harte Kanten. Ein bedeckter Himmel ist das beste.

Die dritte Größe ist die Kamerahöhe. Die Linse gehört auf Augenhöhe. Von oben herab entsteht ein Blick nach oben, von unten ein Blick von oben herab – beides liest sich als Haltung, obwohl es nur ein Stativfehler ist.

Hintergrund, Ausschnitt, Format

Der Hintergrund soll nichts erzählen. Eine gleichmäßige helle oder graue Fläche ohne Struktur ist deshalb die übliche Wahl; Raufasertapete, Bücherregale, Türrahmen und Gardinen sind es nicht, weil das Auge dorthin wandert. Wenn der Hintergrund leicht unscharf ist, liegt das an der Blende und am Abstand zur Wand – auch das ist Technik und kein Zufall.

Der Ausschnitt reicht üblicherweise von etwas oberhalb des Kopfes bis zur Brust, im Hochformat. Ein Ganzkörperbild gehört nicht in eine Bewerbung für ein Büro, ein Anschnitt auf Höhe des Kinns ebenfalls nicht. Das biometrische Passbild ist übrigens kein Bewerbungsfoto: Es ist nach einer Norm gebaut, die neutralen Gesichtsausdruck und einen festgelegten Kopfanteil verlangt, und genau das macht es für eine Bewerbung ungeeignet. Wer sein Passfoto einscannt, erkennt das an der Wirkung sofort.

Digital gilt: Das Bild sollte groß genug sein, dass es auch gedruckt nicht ausfranst, und klein genug, dass die gesamte Mappe durch das Bewerbungsformular passt. Viele Portale begrenzen die Dateigröße; wo das der Fall ist, steht die Grenze am Uploadfeld.

Kleidung richtet sich nach der Stelle, nicht nach dem Foto

Was Sie auf dem Bild tragen, sollte zu dem passen, was Sie am ersten Arbeitstag tragen würden. In einer Kanzlei ist das enger geschnitten als in einer Kommunalverwaltung, und in einem Handwerksbetrieb mit angeschlossener Sachbearbeitung noch einmal anders. Der sichere Weg führt über die Stellenanzeige und die Website des Arbeitgebers: Wenn dort Teamfotos stehen, haben Sie die Antwort.

Zwei technische Punkte fallen unter Kleidung, obwohl sie es nicht sind. Erstens die Brille: Sie gehört aufs Bild, wenn Sie sie täglich tragen, aber ein Fotograf wird sie leicht kippen oder entspiegelte Gläser verlangen, damit keine Reflexe die Augen verdecken. Zweitens kleinteilige Muster – enge Streifen und feine Karos erzeugen auf komprimierten Bildern störende Muster.

Was ein Termin beim Fotografen umfasst

Ein Bewerbungsfototermin dauert in der Regel eine gute halbe Stunde bis Stunde, bringt mehrere Posen und Ausschnitte hervor und endet mit einer Auswahl, aus der Sie ein oder mehrere Bilder als bearbeitete Datei erhalten. Was ein solcher Termin kostet, unterscheidet sich erheblich – zwischen Studios, zwischen Regionen und danach, wie viele Dateien Sie mitnehmen. Fragen Sie vorher nach dem Umfang: enthaltene Aufnahmezeit, Zahl der ausgewählten Bilder, Art der Bearbeitung und ob Sie die Bilder uneingeschränkt für Bewerbungen nutzen dürfen.

Die Bearbeitung ist der Punkt, an dem eine Grenze verläuft. Hautunreinheiten, ein Fussel auf der Schulter und ein Lichtreflex dürfen weg; das sind Zustände eines Tages. Verändert werden dürfen Gesichtsform, Alter und Figur nicht, und zwar aus einem praktischen Grund: Wer eingeladen wird, sitzt anschließend im Original vor der Person, die das Bild gesehen hat. Dasselbe gilt für vollständig generierte Porträts, über die der Beitrag zum selbst aufgenommenen Foto ausführlicher spricht.

Wann sich der Aufwand lohnt

Ein Foto ist nicht verpflichtend – was rechtlich gilt, steht im Beitrag zu Pflicht und AGG. Wenn Sie sich aber für eines entscheiden und sich auf mehrere Stellen bewerben, verteilt sich der Aufwand: Dasselbe Bild trägt eine ganze Bewerbungsphase. Wer sich auf Stellen im Sekretariat bewirbt und dort auf Empfangsaufgaben trifft, hat zudem eine Stelle vor sich, in der Auftreten Teil der Aufgabe ist. Das macht das Foto nicht wichtiger, als es ist – es macht nur den Verzicht auf ein schlechtes Bild wichtiger.

Wenden Sie das direkt an: Im Stellenmarkt stehen die offenen Stellen dieses Berufs, und zu jedem Beruf finden Sie die Aufgaben und die üblichen Gehälter daneben.

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